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19.10.2011

Queer_day: Ausstellungseröffnung im FSBZ


Maria ist empört: „Jetzt willst du mich aber auf den Arm nehmen, Gabi!“ Erzengel Gabriel klopft sich noch den Staub von der Landung von den Flügeln, meint es aber todernst: „Nein Maria, Gott möchte wirklich, dass du seinen Sohn empfängst. Du bist die einzige hier auf der Erde, die eine genügend weiße Weste hat.“ Das wiederum kann Maria erst recht nicht glauben und so braucht es noch einige Versuche bis Gabriel sie endlich überzeugt hat, sich auf Gottes Heilsplan einzulassen.


Im FSBZ eröffnete Dagmar Kräutles clowneskes Stück über die Verkündigung die neue Ausstellung Maria_queer. Gemeinsam mit der Künstlerin Doris Baum und den Studienleiterinnen des FSBZ sorgte die Marburger Clownin beim Eröffnungs- und Thementag queer_day für ein lebendiges und vielschichtiges Programm. Es wurde gelacht und diskutiert, Bilder und Begleitmaterial boten vielfach Anlass zu Reflexion und Austausch. 


Apfelkuchen und angeregter Austausch

Beim queer_day gab es für Besucherinnen und Besucher ganz verschiedene Angebote: clowneske Auftritte von Maria und Erzengel Gabriel in Personalunion, Buttons selbst gestalten und sich dabei Gedanken um die eigene Geschlechtsidentität machen, aber auch ruhige Orte, die dazu einluden sich dem begleitenden Studienmaterial und der ausgelegten Literatur zu widmen. Im Laufe des Tages fand deshalb ein breites Publikum seinen Weg ins FSBZ. Aus der klassischen Ausstellungseröffnung am Mittag mit obligatorischem Anstoßen, war nachmittags eine angeregte Gesprächsrunde rund um einen Apfelkuchen geworden. Dazwischen kamen immer wieder Gäste, um die Ausstellung individuell betrachteten.

Vielfältig wie das Programm waren auch die Reaktionen: Ergriffenheit, Identifikation mit eigenen Lebenslagen, Hinterfragen der Provokationen und Würdigung der Empathie, mit der die Künstlerin die Schönheit und Besonderheit ihrer Modelle einfängt. Als bereichernd wurden auch die Text-Impulse empfunden, die Teil des Ausstellungskonzeptes sind und von den Studienleiterinnen des FSBZ entwickelt wurden. Besonders bewegte ein Gemälde von Maria im Rollstuhl, mit herzensgutem Ausdruck. „Im Himmel will ich tanzen…aber der Rollstuhl gehört dazu“, beginnt der Impuls zum Bild. „Ich wäre dankbar, das Schicksal so tragen zu können“, kommentiert eine Besucherin im Blick auf die eigene Lebenssituation.


Begleitheft vertieft Reflexion

Die Ausstellung zeigt also nicht nur eine Auswahl der Bilder von Doris Baum, sondern begleitet diese mit Text-Impulsen. Fragen, Gedichte oder Sprüche am Erläuterungsschild der Bilder werden in einem Begleitheft aufgegriffen und vertieft. Die Impulse eröffnen für jedes der Werke einen Zugang im Rahmen der Ausstellungsthemen Maria und queer. So wird z.B. Marias aktive Rolle in der Heilsgeschichte betont oder eine Körperlichkeit und Schönheit Marias in den Blick gerückt, die jenseits gängiger Ideale liegt. Andere Impulse verfolgen queer-theoretische Ansätze: Sie hinterfragen die eindeutige Geschlechtertrennung und vermitteln eine Vorstellung, wie diese Trennung einschränken kann. Zu jedem Impuls hat die Künstlerin eine Skizze angefertigt, um das Gesehene auch außerhalb der Ausstellung noch nachvollziehbar zu machen. Aber natürlich ersetzt die Skizze nicht den Blick aufs lebensgroße Original. Die Ausstellung Maria_queer ist noch bis zum 29. Februar 2012 im FSBZ. Besuche nach Terminvereinbarung


Mehr Infos:

Begleitheft herunterladen

Zur Ausstellungsbeschreibung

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