In einem größer werdenden Europa ist es unabdingbar, die Erfahrungen und Kompetenzen der Menschen der neuen und alten Mitgliedsstaaten kennen zu lernen und wertzuschätzen. Ohne interkulturellen und interreligiösen Dialog ist es nicht möglich, nationenübergreifende, ökumenische Bildung als Grundlage demokratischen Handels in der Gesellschaft zu verstehen.
Die Erweiterung der Europäischen Union birgt auf der Ebene des direkten
Austauschs neue Chancen des voneinander Lernens. Frauen in Europa haben
vor dem Hintergrund unterschiedlicher Gesellschaftssysteme
unterschiedliche Perspektiven und Bewältigungsstrategien entwickelt.
Gleichwohl stimmen ihre Erfahrungen in vielen Fragen überein: Sie
kämpfen um gleichberechtigte Teilhabe in Beruf und Gesellschaft, in
Kirche und Politik, um gleichen Lohn für gleiche Arbeit, und leisten den
Hauptteil der Familien- und Versorgungsarbeit. Gegenwärtig wissen wir
noch zu wenig über spezifische Ressourcen und Erfahrungen, von denen wir
als Nachbarinnen für die eigene Arbeit und das eigene Leben lernen
können. Ebenso fehlt es an einem Dialog, wie Frauen in Europa
konstruktiv mit den Herausforderungen der Globalisierung,
wirtschaftlichen Transformation, Veränderung von Familienbeziehungen,
Migration und demografischem Wandel umgehen.
In diesem Kontext sind Begegnungsformen und Bildungsprozesse zu
entwickeln, die den neuen Lebenssphären und der Zunahme von Lebensstilen
entsprechen und flexibler auf die Vielfalt der Lebenswirklichkeiten
reagieren.
So habe ich vor zwei Jahren Kolleginnen aus der Frauen-, Frauenbildungsarbeit und des Internationalen Lernens, die Erfahrungen in der Begegnung mit Frauen aus den neuen Mitgliedsstaaten verfügen, zu einem Konsultationsprozess eingeladen. Ziel war es, ein europäisches Bildungsprojekt zu entwickeln. Auf der hierbei erarbeiteten Grundlage hat sich Ende 2006 ein europäisches Koordinierungsteam aus Deutschland, Österreich, Rumänien, Slowakai und Tschechien unter Federführung des FSBZ konstituiert. Es konkretisiert die einzelnen Schritte zur Umsetzung des gemeinsamen Vorhabens.
Im Sinne eines feministischen und ressourcenorientierten
Bildungsansatzes geht das gemeinsame Projekt von vorhandenen Fähigkeiten
und Kompetenzen aus. Frauen lernen in einem gleichberechtigten
integrierten Austausch die Bedürfnisse und Interessen ihrer Nachbarinnen
kennen und schärfen somit zugleich den Blick auf die eigenen
Ressourcen. Das voneinander Lernen als jeweils Gebende und Nehmende ist
in diesem prozessorientierten Lernpartnerschaftsprojekt von zentraler
Bedeutung. Es ist wichtig, die konkreten Arbeits- und
Lebenswirklichkeiten in den beteiligten Ländern und Organisationen
kennen zu lernen, um auch die eigenen Strukturen zu hinterfragen.
Dr. Kirsten Beuth
Anfang April 2009 trafen sich nationale Koordinatorinnen des
Frauenbildungsprojekts in Oradea (Rumänien) zur Auswertung der 2008
angelaufenen praktischen Umsetzung und der daraus resultierenden
Weiterentwicklung.
Die bisher geleistete Arbeit innerhalb des Projekts wurde gemeinsam evaluiert.
Viele neue Vernetzungen und Unterstützungsstrukturen sind im vergangenen Jahr auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene entwickelt worden:
Das Anliegendes Projekts, Impulse für fachbezogene europäische Netzwerkbildungen zu geben und zielgruppenorientierte Arbeitsformen und -methoden zu entwickeln, die in Lernpartnerschaften und Hospitationsbörsen münden, ist somit in vielfältiger Form schon jetzt gelungen. Es wird im Sinne eines feministischen und ressourcenorientierten Bildungsansatzes an vorhandenen Fähigkeiten und Kompetenzen angeknüpft. Die sehr unterschiedlichen Erfahrungen der west- und osteuropäischen Teilnehmerinnen kommen in Formen des wechselseitigen Lernens zum Tragen.
Ein Schwerpunkt der Weiterarbeit am Projekt „Europa mal anders" ist es, eine nachhaltige Umsetzung in den jeweiligen Strukturen zu entwickelt. Die dafür zu erarbeitende Weiterbildungsmodule zu den Themenbereichen Gleichstellung, Kommunikation, Leitung und Macht, Haupt- und Ehrenamt stehen im Zentrum des für den Herbst 2009 geplanten Arbeitstreffens in der Slowakei. Außerdem Fragen zur Ökonomie durch die Entwicklung der Module.
An dem Arbeitstreffen nahmen teil:
Dr. Kirsten Beuth (Frauenstudien- und –bildungszentrum in der EKD /FSBZ), OKR Judith Vincze (Bischofsamt der Reformierter Kirche Partium), Ramona Benedek (Römisch-katholisches Gymnasium), Ildikó Szantó (Jugend- und Sozialamt Oradea), Pfarrerin ECAV Eva Oslikova (Slowakische Frauenarbeit SEZ), Inge Rühl (Frauenarbeit des Gustav-Adolf-Werks)
Wir freuen uns auf Ihre Kommentare und Anregungen zu den vorhandenen Texten und Materialien, auf Ihre Erfahrungen mit unterschiedlichen Arbeitsmethoden, auf neue Liedtexte und Bilder. Eine Verknüpfung von Theorie, beruflichen Erfahrungen und biografischem Wissen ist uns besonders wichtig.
Tešíme sa na vaše komentáre a podnety k predloženým textom a materiálom, na vaše skúsenosti a pracovné metódy, na nové texty piesní a obrázky. Obzvlášť dôležité je pre nás prepojenie teórie, pracovných skúseností v zamestnaní a životopisných vedomostí.
Eine Einrichtung des Comenius-Instituts im Aufgabenbereich Gender und Bildung, Frauenstudien und Frauenbildung www.comenius.de

