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Maria_queer

Ein Ausstellungsprojekt mit Bildern von Doris Baum

Kennen Sie den perfekten Mann oder die ideale Frau? Wir nicht! Irgendwie weichen doch alle hier und da von der Norm des Geschlechts ab,

das ihnen einst in der

Säuglingsstation mit auf den Weg gegeben wurde. Manche mehr, manche weniger – manche bewusst und manche völlig unabsichtlich. Und nicht nur das Geschlecht ist ein Schauplatz für festgezurrte Normen und Ideale, auch darüber

hinaus herrschen ziemlich stark etablierte Vorstellungen davon, wie Menschen und ihre Körper zu sein haben…

Queer

Queer ist der Begriff für merkbare Abweichungen. Und eigentlich sind alle irgendwo queer - sei es im Aussehen, im Verhalten, in Äußerungen oder im Lebensweg. Meist steht kein Provokationswille hinter der Übertretung von Geschlechter-, Körper- und Verhaltensnormen, sondern es ist eher umgekehrt: Trotz aller Bemühungen können die gesellschaftlichen Vorgaben nicht optimal erfüllt werden.


Queere Darstellungen werden aber durchaus auch mit Bedacht genutzt. Humorvoll und provokativ wird damit gezeigt, dass unsere Aufteilung der Menschen in zwei Geschlechter vielleicht doch nicht ganz unanfechtbar ist. Oder dass Schönheit und körperliche Unversehrtheit eigentlich gar nicht so ideal sind. Mit absichtlichen oder zufälligen Übertretungen konfrontiert kann unsere Reaktion ganz unterschiedlich ausfallen: Queer kann uns absonderlich, absurd, pervers, aber auch mutig, unkonventionell und humorvoll vorkommen.

Maria

Ursprünglich voller idealisierter Erwartungen ist das Bild von biblischen Gestalten in den letzten Jahrzehnten merklich vielschichtiger geworden. Zum Beispiel Maria: Über Jahrhunderte wurde sie als ergebene Magd oder erhöhte Jungfrau gezeigt, die sich dem Weg, den Gott für sie vorgesehen hat, passiv und dankbar fügt. Ihre Attribute – Demut, Keuschheit, Schönheit und mütterliche Fürsorglichkeit – prägten die Erwartungen an weibliche Vollkommenheit.


Dieses  starre Marienbild konnte durch die neuere Bibelwissenschaft aufgebrochen und eine vielfältigere Sicht freigegeben werden. So wird Maria heute auch als junge Frau gesehen, die sich aktiv und bewusst für ihre Rolle in der Heilsgeschichte entscheidet. Diese Sichtweise ist befreiend, da sie weiblichem Gestaltungs- und  Entscheidungswillen ein Vorbild zur Seite stellt. Eine solche Interpretation ist außerdem identifikationsstiftend, da sichtbar wird, dass Maria nicht nur einen Ansatz für Glaubende bietet.

Queer-religiöse Begegnungen

Die Gemälde von Doris Baum knüpfen dort an, wo biblische Gestalten Darstellung und Denken nicht mehr einem festgezurrten Ideal unterworfen werden. Die lebensgroßen Figuren sind queere Begegnungen in einer religiösen Szenerie, die Vorbilder des Glaubens in ihrer ganz alltäglichen Menschlichkeit, Körperlichkeit und Sexualität zeigt. Dabei hinterfragen sie mit Humor, Ästhetik und markantem Pinselstrich die perfekte Trennung der Geschlechter und die Normen, denen Menschen und ihre Körper gehorchen.


Die Ausstellung Maria_queer lädt ein, die eigene Reaktion im Spannungsfeld von Geschlecht, Menschlichkeit und Glauben bewusst zu erleben. Die eigenen Grenzziehungen dabei zu spüren und zu reflektieren kann ein Zugang zu einem Rundgang durch die Ausstellung sein.

Studienmaterial

Das FSBZ stellt Besucherinnen und Besuchern Studienmaterial für ihren Rundgang durch die  Ausstellung zur Verfügung. Das Material beleuchtet das Konzept queer, führt Interessierte an klassische Texte aus  theologischer und Genderperspektive heran und regt mit Fragen und Impulsen zur weiteren Reflektion der einzelnen Werke an. Vor Ort wird das Material durch ausgelegte Originaltexte ergänzt. Die Ausstellung eignet sich für den Besuch durch Einzelpersonen und Studiengruppen, die einen kreativen Einstieg oder ein Blitzlicht zum Thema queer suchen.


Maria_queer: 19.10.2011 - 29.02.2012 im  FSBZ in Hofgeismar.

Bericht von der Eröffnung queer_day

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