Wir denken, eine ganze Menge, zumindest ihre Grundanliegen Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Befreiung und einige mehr.
Dazu haben wir ein Diskussionspapier erarbeitet.
Wir meinen, Feministische Theologie muss sich interkulturell noch mehr öffnen und umgekehrt kann interkulturelle Bildung von den Erfahrungen und Methoden Feministischer Theologie profitieren. An neuen Vernetzungen und Kooperationen arbeiten wir und freuen uns über Ihre Rückmeldungen.
Im Namen der Vorbereitungsgruppe
Dr. Gisela Matthiae
matthiae@fsbz.de
Interkulturell - ökumenisch - geschlechtergerecht - nachhaltig
Perspektiven interkulturellen Lernens und
Feministischer Theologien im Dialog
In unserer deutschen Kirchenlandschaft ist oft ein Auseinan derklaffen von missionstheologischer Arbeit einerseits und Bildungsarbeit in den ökumenischen und kirchlichen Einrichtungen andererseits spürbar. Bildungsangebote sind in der Regel auf unseren Kontext begrenzt, der Ost-West-Zusammenhang kommt oft marginal vor, ebenso wie der Nord-Süd-Zusammenhang. Differenzen wie Geschlecht, Hautfarbe, sozialer Status, kulturelle Herkunft, Lebensform wer den nicht selbstverständlich mitbedacht. Umgekehrt ist feministisch-theologisches Nachdenken in Deutschland zu wenig im Gespräch mit theologischen Ansätzen des Südens. Sie nimmt zu wenig postkoloniale Überlegungen auf und ist noch zu eurozentrisch.
Die Perspektiven aus der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit, der Ökumene und der Feministischen Theologie sind in ihren Grundanliegen verbunden: Gerechtigkeit, insbesondere zwischen den Geschlechtern; Nachhaltigkeit im Blick auf Wirtschaft und Ökologie; Befreiung aus gewaltförmigen Verhältnissen; gemeinsame Bildungsformen für eine gerechtere Welt. So kann Bildung in ökumenischer Weite als Profil sichtbar werden.
Unsere Vision ist eine gerechte und friedliche Welt, in der alle Menschen ihre jeweiligen Geschichte(n), ihre Prägungen, Überzeugungen, religiöse Praktiken und Deutungen hörbar und sichtbar einbringen können und damit traditionsbil dend und gesellschaftsverän dernd wirken.
Sie orientiert sich am biblischen Menschenbild , nach dem je der Mensch, gleich welcher Herkunft, welcher Hautfarbe, welchen Geschlechts, welcher Geschichte als Nächste und Nächster gilt. Wir vertrauen darauf, dass Gottes Reich jetzt schon mitten unter ist und uns zu gerechtem Tun herausfor dert und befähigt.
Das Leben von Frauen und Männern in den verschiedenen Kontexten wird heute von „Globalisierung“ geprägt. Was heißt das eigentlich?
Beispielhaft sollen drei unterschiedliche Ebenen benannt werden.
die im neoliberal ökonomischen Sinn von Regierungen und Wirtschaftsakteuren vorangetrieben wird, zielt vor allem auf Liberalisierung von Handel, Investitionen und Arbeitskräften ab. Internationale Handelsabkommen werden begleitet von Strukturanpassungsprogrammen, die die Reduzierung von Leistungen des öffentlichen Sektors bedeuten. Dadurch wurden Verarmungsprozesse verstärkt und die Zerstörung einheimischer Wirtschaftszweige in Ländern des Südens in Gang gesetzt. Durch die Privatisierungsprozesse wird aber auch in den Ländern des Nordens die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer, während sich in den ärmeren Ländern oft eine Wirtschaftselite herausbildet. Es entsteht ein „Norden im Süden“ und ein „Süden im Norden“.
Unsere Herausforderung besteht darin, die Verhältnisse im Süden und im Norden gemeinsam zu reflektieren, gemeinsame und unterschiedliche Erfahrungen zu benennen und globalisierten Formen der Ausbeutung globalisierte Formen des Widerstands entgegenzusetzen.
Die Genderkategorie kann dabei helfen, Themenfelder und Perspektiven, die normalerweise im Globalisierungsdiskurs nicht vorkommen, wahrzunehmen und zu problematisieren.
Im Bereich der Lohnarbeit ist festzustellen, dass durch Privatisierungen, Flexibilisierung und Informalisierung immer mehr prekäre Arbeitsplätze entstehen, die nicht mehr existenzsichernd sind . Frauen „eignen“ sich besonders aufgrund der traditionellen Geschlechterrollen und ökonomischer Machtverteilung für die prekären Arbeitsplätze, - allerdings nicht zu ihrem Vorteil. Die Tendenz ist die Entwicklung einer Klasse der „working poor“: Menschen – und vor allem Frauen, die zwei und mehr Jobs haben, und auch damit ihre Familie nur knapp ernähren können. Zwar gewinnt ein Teil der Frauen dadurch dass sie Karriere machen oder zumindest ihre Familie durch ihre Beteiligung an der Erwerbsarbeit besser ernähren können. Jedoch ist der Großteil der Frauen von den Veränderungen durch die Globalisierung in negativer Weise betroffen. Eine unserer Herausforderungen sehen wir daher darin, solche Trends und Erfahrungen gemeinsam zu thematisieren und nach gerechteren Strukturen der Wirtschaft zu suchen.
Der Bereich, der am deutlichsten zu beobachten ist, ist die rasante Entwicklung der Informationstechnologie. Raum und Zeit werden massiv komprimiert durch schnelle Transport- und Informationswege. Dies ist der Punkt, den auch KritikerInnen der ökonomischen Globalisierung für sich nutzen.
Unsres Erachtens ersetzen die neuen Medien keinesfalls direkte Begegnungen. Für wirkliche Auseinandersetzungen brauchen wir den Kontakt von Mensch zu Mensch, eine vielfältig und gemeinsam verbrachte Zeit und die Prozesshaftigkeit, die kontinuierliche Kontakte mit sich bringen.
Feministisches globales Lernen heißt für uns, reale Begegnungen zu fördern, die einen Austausch auch auf nonverbaler Ebene möglich machen und das Verstehen wesentlich vertieft.
waren an der historischen Entwicklung der Kolonia lisierung in widersprüchlicher Weise beteiligt. Einerseits wirkten sie mit an der Unterwerfung der Völker des ganzen Erdballs und andrerseits engagierten sie sich an der Überwindung von Gewaltherrschaft über „eingeborene Gemeinschaften“. Diese Doppeldeutigkeit bleibt ein schweres Erbe. Die ökumenische Bewegung hat zudem seit Entstehen der Vereinten Nationen aktiven Anteil an der Verankerung der Menschenrechte als wichtiger globaler ethischer Orientierung.
Es gilt daher, die Menschenrechte in ihrer aktuellen Differenziertheit bewusst zu bejahen und innerhalb der Kirche deutlich zu machen, dass sie ein Spiegel biblischer, missionstheologischer und anthropologischer Einsichten sind.
In Europa und in vielen Teilen der Welt sind starke Säkularisierungsprozesse wirksam geworden. Gleichzeitig lebt - auch in „säkularen Gesellschaften“ - eine ungeheure Vielfalt religiöser Praktiken und Glaubensauffassungen jenseits traditioneller kirchlicher Strukturen. Diese wirken sich teils verstärkend auf Individualisierungsprozesse, teils abfedernd auf Verelendungsprozesse aus. Fundamentalistische Theologien und Organisationen haben im Christentum (und in anderen Religionen) massiv um sich gegriffen und verfügen über erhebliche wirtschaftliche, ideologische, politische und kommunikative Ressourcen.
Die Herausforderung für interkulturelle Bildungsarbeit ist daher, immer neu nach befreienden und ermächtigenden (religiösen, ethischen und theologischen) Traditionen und Visionen zu suchen ; insbesondere nach entsprechenden Lesarten der ganzen Bibel. Es bedarf einer ideologiekritischen Betrachtung religiöser Ausdrucksformen und Inhalte, an der sich unterschiedliche Kulturen beteiligen sollten, da diese faktisch überall ko-existieren.
sind von Beginn an Trägerinnen ökumenischen, missionarischen und diakonischen Handelns. Frauen sind geradezu die Schrittmacherinnen der ökumenischen Bewegung. Weltweit versuchen engagierte Frauen und Männer, eine Ökumene der Solidarität den zerstörerischen Auswirkungen der Globalisierung entgegenzusetzen. Sie sind jedoch weiterhin qualifizierte Minderheiten. Frauen machen weltweit die Erfahrung, außerhalb des „inner circles“ von Macht, ideologischer Prägekraft und Ressourcenverteilung zu stehen – auch in den Kirchen. Und obwohl Frauen weltweit die Mehrheit in den Kirchen stellen, stellen sie fast nirgends die Mehrheit in Leitung und Verkündigung.
Eine Herausforderung bleibt also, die Erfahrungen und Kompetenzen feministischer Theologien als Stärkung von Frauen in allen kirchlichen und ökumenisch-missionarischen Zusammenhängen wirksam werden zu lassen. Umgekehrt muss auch die feministische Theologie und Praxis ständig die Grenzen der eigenen Provinzialität überwinden.
vertritt die Überwindung von Sexismus, Androzentrismus und patriarchalen Strukturen im Denken und Han deln der Kirchen. Sie ist von Anfang an ökumenisch und interdisziplinär ausgerichtet. Gen der stellt bisher (noch) die Leitkategorie innerhalb vielfältiger Differenzen dar.
arbeitet an der Überwindung von Rassismus und Kolonialismus im Denken und Han deln in Gesellschaft und Kirche und fördert daher den konziliaren Prozess.
Die alltäglichen Erfahrungen von Frauen und Männern bil den den Ausgangspunkt für theologische Reflexion und Theoriebildung.
Je de theologische Reflexion und Theoriebildung ist kontextuell an bestimmte Zeiten, Orte und gesellschaftliche Bedingungen gebun den.
Alles Wissen ist partikular, universalistische Ansprüche sind ten denziell totalitär. Daher ist gegenüber theologischen Aussagen, sowie kirchlichen und gesellschaftlichen Strukturen immer eine Hermeneutik des Verdachts geboten.
Die Entstehung von Wissen und von Gesellschaftsformen geschieht in einem Herrschaftsgefüge, das kritisch analysiert wer den muss. Auf der an deren Seite müssen Ressourcen aller Frauen und Männern als gesellschafts-, theorie- und theologiebil dend im Sinne einer befreien den und lebensschaffen den Praxis gewonnen wer den.
Menschen gleich welchen Geschlechts, welchen Alters, welcher Herkunft, welcher Hautfarbe und welchen sozialen Status sind Subjekte des Theologisierens („doing theology“). Zugleich wird ein männlich geprägter Subjektbegriff westlicher Philosophien, orientiert an Autonomie und Herrschaft kritisiert.
Unser Menschsein ereignet sich in der Ganzheit von Körper, Geist und Seele. Die Wahrnehmung mit allen Sinnen verbin det sich mit der Fähigkeit zur kritischen Reflexion.
Die vielfältigen Differenzen zwischen Menschen lassen sich festmachen an Geschlecht, Klasse, Rasse, Kultur, Alter, Lebensform, sind aber als soziale Konstruktionen selbst auch einem ständigen Wan del unterzogen. In unterschiedlichen Kontexten sind unterschiedliche Wechselwirkungen dieser Differenzen zu beobachten, so dass sich immer wie der an dere Leitkategorien herausbil den.
Menschen sind in all ihrer Unterschiedlichkeit grundsätzlich aufeinan der angewiesen und voneinan der abhängig. Entgegen einer einseitigen Betonung von Autonomie stellt gera de die Bezogenheit einen Wert an sich und eine Kraftquelle dar. Sie for dert zu hoher ethischer Verantwortlichkeit heraus.
Fremdheit ist eine unhintergehbare Voraussetzung zur Bildung eigener I dentitäten. Entgegen voreiliger Vereinnahmungen sollte Fremdheit als nie ganz überwindbar und gera de deshalb fruchtbringend begrüßt wer den.
Parteilichkeit ist immer dann geboten, wenn Differenzen zwischen Menschen herrschaftsbil den wer den. Anstatt aber eine z.B. eine Option für die Armen o der für die Frauen auszusprechen, sollen marginalisierte Personengruppen selbst zu Wort kommen und Gehör fin den: Option der Armen, Option der Frauen etc.
Vermeintliche Einheiten wie Religionen, Rassen, Geschlechter, Kulturen, Ethnien, Nationen, Klassen sind als solche Konstruktionen und einem ständigen Wan del unterzogen. Daher gilt es heute, Vielfalt und wechseln de Differenzen als sinn- und theoriebil dend zur Geltung kommen zu lassen.
Eine politische Haltung, die gera de bei bestehen den Differenzen und Fremdheit nach Formen gemeinsamen Han delns und einer gleichberechtigten Koexistenz aller Menschen strebt.
Befreiung als selbsttätiges politisches Handeln strebt aus diskriminieren den und unwürdigen Verhältnissen hin zu mehr Handlungsspielraum; sie zielt auf die Schaffung von Leben spen den den gesellschaftlichen Verhältnissen.
Grundlage für befreien des Han deln bil den die Heiligen Schriften mit ihren Verheißungen für Frie den und Gerechtigkeit für alle Menschen. Sie müssen gegen sich selbst mit diesem Kriterium immer wie der kritisch gelesen wer den.
Wir sind ein Arbeitskreis der Initiative ÖKUFEM.
ÖKUFEM ist ein Zusammenschluss von Frauen aus den Bereichen Mission, Ökumene, Entwicklungspolitik und kirchlicher Bildungsarbeit. Der Arbeitskreis strebt an
Ulrike Hansen, Bayrisches Missionswerk, Neuendettelsau
Britta Hemshorn de Sánchez, Pädagogisch-theologisches Institut, Hamburg
Dr. Gisela Matthiae, Frauenstudien- und -bildungszentrum der EKD, Gelnhausen
Gabriele Mayer PH.D., Evangelisches Missionswerk Südwestdeutschland, Stuttgart
Dr. Sabine Plonz, Evangelisches Missionswerk Deutschland, Hamburg
Katja Strobel, Institut für Politik und Theologie, Münster
Eine Einrichtung des Comenius-Instituts im Arbeitsbereich Gender / www.comenius.de

