ein Bericht von Dr. Herta Leistner (e-mail: he.lei@t-online.de)
Es begann alles 1984 in einer der Feministischen Theologie Werkstätten in der Evangelischen Akademie Bad Boll, zu der wir - vermittelt durch Bärbel Wartenberg-Potter (damals im ÖRK) - Frauen aus anderen Ländern eingeladen hatten, darunter Sr. Teresa Dagdag von den Philippinen.
Sie berichtete davon, dass sie in Baguio City in den Cordilleras von Nord Luzon, eine Arbeit mit Frauen beginnen wolle, damit sich deren Lebensumstände verbessern.
Sr. Teresa, ihr Engagement und die Berichte von den Frauen beeindruckten uns so, dass wir versprachen mit ihr in Verbindung zu bleiben.
Sr. Teresa ist eine excellente Briefschreiberin. Wir wurden bestens informiert über die politische Lage (Marcos-Zeit) und die Situation der indigenous people in den Cordilleras. Briefe, die in Bad Boll eingingen, übersetze ich und konnte sie an ca. 300 deutsche Frauen, die zu diesem Netzwerk "Freundinnen von IGOROTA" gehören wollten, schicken.
Teresa arbeitete eng mit der Diözese Baguio zusammen. Gründete dann aber zusammen mit sechs anderen Frauen eine Non Governmental Organisation (NGO), als die Diözese ihre Zuschüsse einstellte.
IGOROTA Foundation Inc. war ins Leben gerufen. IGOROTA bedeutet "die Frauen von den Bergen".
Die Cordilleras sind eine der Regionen in den Philippinen, die die Spanier 333 Jahre lang nicht kolonialisieren konnten. Erst als die Philippinen für 20.000 US-Dollar an Amerika verkauft wruden, wurde auch diese Regionen gegen ihren Widerstand langsam "erschlossen", "christianisiert" und ausgebeutet. Die Menschen blieben ihren Traditionen sehr treu, kamen dadurch aber auch in eine Situation, dass sie als nicht genügend zivilisiert angesehen wurden. Es kamen große soziale Probleme, statt Tauschhandel mußte Geld bezahlt werden, das Land, das bejagt und bebaut wurde, gehörte plötzlich dem Staat und nicht mehr den Stämmen. Staudämme wurden angelegt, Erz abgebaut und Wald gerodet.
Wie so oft in solchen Umbrüchen tragen Frauen mit die größte Last. - Hier wollte IGOROTA ansetzen. Frauenkooperativen bilden, Frauen dafür und in ihren Handwerken schulen, neue Einkommen schaffende Projekte einführen und sie wenn möglich mit Darlehen unterstützen.
Teresa mobilisierte alle Freundinnen und Freunde, die sie hatte. Wir schickten "Samengeld", damit die Organisation aufgebaut werden konnte. Spenden von den deutschen Frauen gingen ein, die Kollekte der Gottesdienste von Tagungen halfen mit. Wir unterstützten so gut wir konnten und schafften dann auch Verbindungen zu Misereor, die seitdem immer wieder Projekte von IGOROTA mitfinanzieren.
IGOROTA konnte Mitarbeiterinnen einstellen und Büroräume mieten. Mitarbeiterinnen machten die beschwerlichen Reisen mit Bus und zu Fuß in die Berge zu den Frauengruppen.
Einmal im Jahr war die "General Assembly", die Hauptversammlung. Die Delegierten der Frauengruppen reisten für ein Wochenende nach Baguio - oft lange Wanderungen und Busfahrten in Kauf nehmend -, um zu berichten und von anderen zu hören. Eine wichtige Funktion ist, dass Frauen aus verschiedenen Stammesgebieten zusammen kommen, um auch über die Konflikte zu reden, die es zwischen den Stämmen gibt und Lösungen von Frauenseite zu überlegen.
Damit die Verbindung nicht nur über Briefe ging und noch mehr Frauen die Möglichkeit bekamen, das Projekt kennen zu lernen, luden wir 1988 Sr. Teresa und eine Mitarbeiterin, Roselle Camte-Bahni, nach Bad Boll ein. Mit auf der Reise war auch die Mutter von Sr. Teresa, eine beeindruckende "alte" Dame.
Der Besuch hat die Freundschaft zwischen den phillippinischen Frauen und uns hier in Deutschland sehr gestärkt.
Wir besuchen IGOROTA in Baguio
Nachdem der enge Kontakt zu Teresa und IGOROTA schon fünf Jahre Bestand hatte, sollten auch wir IGOROTA besuchen und ihre Arbeit vor Ort kennen lernen. Wir fingen an zu planen. 1990 aber gab es ein Erdbeben und Schlammfluten in der Region von Baguio City. Der Konvent des Maryknoll Ordens wurde zerstört, Straßen unpassierbar, viele Häuser waren zerstört oder unbewohnbar. Auch IGOROTA musste aus den Räumen raus und eine neue Unterkunft suchen.
Doch ein Jahr später reisten Susanne Englert, Marianne Gaissert, Herta Leistner, Waltraud Lieckefett und Brigitte Schnell für 4 Wochen auf die Philippinen.
Ein eindrückliches Programm, das IGOROTA für uns zusammengestellt hatte:
Projekte anderer NGO oder von Ordensfrauen in Manila ansehen und Gespräche mit Frauen-Organisationen (Prostitution, Slums, National Commission on the Role of Filipino Women,...)
Eine Woche Baguio, IGOROTA-Büros, Maryknoll-Orden, Besichtigungen, Vorträge, Besuche bei Frauengruppen, ein Opferritual nach altem Stammesbrauch, General Assembly von IGOROTA...
Zwei Wochen im Jeepney unterwegs in den Bergen zu den verschiedenen Frauenprojekten, die von IGOROTA "betreut" wurden: Töpferinnen in Bila-Bauko, Weberinnen in Sabangan und Liwan, die Frauen in Madupdop und Maledda. Wir tanzten mit zu den Gongs, sahen Tänze der Einheimischen, hörten von den Problemen, die Höchst und Bayer mit Kunstdünger und Pestiziden verursachen, erlebten Erdrutsche, sahen die Bemühungen von Frauen um Aufforstung, lernten über die Auseinandersetzungen mit Militärs, Befreiunsarmee, Paramilitärs...
An Ende der Reise ein kurzer Besuch in San Jose City, der Stadt in der Teresas Familie lebt. Mutter Dagdag gab uns zu Ehren ein Essen im kleinen Restaurant des Bruders von Teresa.
Ein bischen schlanker vom Reisessen, aber angefüllt mit vielen vielen Eindrücken und der Dankbarkeit unseren Gastgeberinnen gegenüber, kehrten wir zurück - voll des Willens, diese Arbeit weiterhin zu begleiten und zu unterstützen.
Sr. Teresa wurde 1991 in die Leitung ihres Ordens gewählt und ging für 6 Jahre nach New York an den Sitz von Maryknoll. Die Verbindung zu ihr und IGOROTA blieb.
1993 bei meinem Abschied von der Evangelischen Akademie Bad Boll war wieder eine Delegation von IGOROTA anwesend: Mila Ramiro, Mary Foy-os, Angie Nanglihan, Louee Padilla, Hilda Wa-yen, Nympha Lacson. Sie besuchten auch den Deutschen Evangelischen Kirchentag in München.
1993 begann ich als Studienleiterin im neu gebildeten Frauenstudien- und -bildungszentrum der Evang. Kirche in Deutschland in Gelnhausen. Es wurde etwas schwerer, IGOROTA zu unterstützen, da ich nicht mehr die Riesentagungen und die Mittel hatte, das Netzwerk so mit Briefen zu versorgen. Aber auch eine "Schreiberin" fehlte nun in IGOROTA, die uns vermitteln hätte können, was sie weiter tun und wie es geht. Mary Foy-os und Rosella besuchten uns je einmal in Gelnhausen.
Dicht geblieben ist der Kontakt mit Teresa. Als wir 1995 vom Frauenstudien- und -bildungszentrum eine Studienfahrt in die USA unternahmen zu WATER (Mary Hunt und Diann Neu) und dem Grail in Grailville, machten wir auch eine Woche Station im Maryknoll Sister Center in Ossining, NY. Wir lernten den Orden und seine Geschichte, seine heutige Mission und viele interessante Frauen kennen. Rosemary Radford Ruether, Ivone Gebara und Sulak trafen wir zu Gesprächen bei Maryknoll. Es gab Gesprächsrunden mit dem Board über Liturgie, Frömmigkeit, Lesbisch- und Ordensfrau sein ...
Teresa kehrte 1997 nach San Jose City zurück, um ihre alte Mutter zu versorgen, nebenbei fing sie ein Studium an, das sie noch dieses Jahr mit der Doktorarbeit abschließen will.
Sie übernahm pastorale und soziale Funktionen für die Jugend in San Jose und wurde auch wieder Mitglied im Vorstand von IGOROTA.
So kommen die "Stränge" wieder zusammen. Wir haben entschieden, diesmal für Teresas neues Projekt zu werben, da IGOROTA schon stabiler ist.
Teresa wird voraussichtl. wieder einige Monate in den USA sein und von dort aus im September/Anfang Oktober 2007 nach Deutschland kommen.
Dies hat nicht geklappt, da sich die Einreiseregelungen schon wieder geändert haben. Teresa muss 6 Monate in den Philippinen gewesen sein, ehe sie in die BRD einreisen darf!!!! Wir versuchen es 2008 noch einmal.
Eine Einrichtung des Comenius-Instituts im Arbeitsbereich Gender / www.comenius.de

