Präventionsmaßnahmen gegen sexuellen Missbrauch gefordert

„Aus der Missbrauchsdebatte klug geworden?“ – unter diesem Titel stand eine Diskussionsveranstaltung im Rahmen des Kirchentages in Stuttgart. Bischöfin Kirsten Fehrs, der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs Johannes Wilhelm Rörig, die Geschäftsführerin der Konferenz für Prävention, Intervention und Hilfe bei Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung der EKD Nicole Toms, von der Interessengemeinschaft der Heimopfer Korntal Detlev Zander und der Sexualmediziner Professor Dr. Klaus Beier diskutierten zu diesem Thema unter Beteiligung des Kirchentagspublikums. Die Moderation lag in den Händen der ehemaligen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs Dr. Christine Bergmann.

Deutlich wurde bei der Veranstaltung, dass die Dimension des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen nach wie vor unterschätzt wird. Zudem wurden Forderungen nach Präventionsmaßnahmen laut . Die WHO geht von einer durchschnittlichen Häufigkeit von 9,6 Prozent für sexuellen Missbrauch in der europäischen Union aus, was bedeutet, dass 13,4 Prozent aller Mädchen und 5,7 Prozent aller Jungen in Europa sind betroffen.

Die Aufarbeitung des Missbrauchgeschehens sowohl in der Gesellschaft als auch in der evangelischen Kirche steht hingegen noch ganz am Anfang. Das trifft auch für Präventions- und Interventionsmaßnahmen zu. Um Kinder und Jugendliche besser vor sexuellem Missbrauch zu schützen und für Betroffene wirksame Hilfen zu gewähren, wurde an die Veranstalter die Bitte herangetragen, folgende Vorschläge an alle zuständigen Gremien der EKD heranzutragen:

– Sexuellen Kindesmissbrauch zur Chefsache machen. Angeregt wurde, eine/ einen Beauftragten auf Bischofsebene zu ernennen (ähnlich wie in der katholischen Kirche) mit jährlichem Berichtsauftrag.
– Notwendig sind EKD-weit formulierte verbindliche Standards für die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt durch externe Stellen, die Einrichtung Unabhängiger Kommissionen und für Risikoanalysen, die in allen Gemeinden durch geführt werden
– Verpflichtende Fortbildung von Mitarbeitenden aller Gliedkirchen mit entsprechenden erprobten Methoden (e-learning)
– Aufnahme des Themas in die Ausbildung von Pfarrerinnen und Pfarren
– Bildung unabhängiger Kommissionen, die Betroffenen Anerkennungsleistungen für erlittenes Leid gewähren in allen Gliedkirchen
– Abschluss einer neuen Vereinbarung mit dem UBSKM, die das Bestreben der evangelischen Kirche um einen wirksamen Kinderschutz und Hilfen für Betroffene deutlich macht.

Wie im Himmel….

Unter der Überschrift „Wie im Himmel so auf Erden. Nachdenken über gutes Leben“ wurde vom 3. bis 5. Juli auf Schwanenwerder zu gearbeitet. Wie gelingt ein “gutes” Leben aus biblischer Perspektive? Und wie können Christinnen und Christen dazu beitragen, eine Gesellschaft mit zu gestalten, in der gegenseitige Anteilnahme und konstruktives Miteinander prägend sind? – diese Fragen standen im Mittelpunkt der Akademie. Neben Auslegungen zu konkreten biblischen Texten und exegetischen Bildbetrachtungen bestimmten die Themen Care, Pflege- und Hospizarbeit, sowie die Frage nach einem guten Sterben die Vorträge und Workshops.

Tagungsleitung:

Dr. Ulrike Metternich, Berlin und Prof. Dr. Claudia Janssen, Hannover in Zusammenarbeit mit Milena Hasselmann, Wiss. Mitarbeiterin und Doktorandin an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Greifswald.

Referent_innen:

Prof. Dr. Ulrike Bail, Schriftstellerin und Dozentin, Luxemburg; apl.Professorin für Altes Testament, Ruhr-Universität Bochum
Dr. des. Aliyah El Mansy, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Philipps-Universität Marburg,
Diakon André Krell, Elisabeth Hospizdienst, Leitender Koordinator, Berlin
Britta Köppen, GEBEWO pro, Psychologische Beratung für wohnungslose Frauen, Berlin
Univ. Prof. Dr. Susanne Plietzsch, Universität Salzburg / AT, Leiterin Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte
Dr. Anne Marijke Spijkerboer, Pfarrerin und Publizistin, Rijkswijk/NL
Prof. Dr. Luzia Sutter Rehmann, Titularprofessorin für Neues Testament und Studienleiterin im Arbeitskreis für Zeitfragen der evangelisch-reformierten Kirche, Basel/Ch
Prof. Dr. Barbara Thiessen, Professorin für Gendersensible Soziale Arbeit, Hochschule Landshut

Musikalische Gestaltung:

Bärbel Fünfsinn, Theologin und Musikerin, Hamburg

Leonore-Siegele-Wenschkewitz Preis 2015 wird im Oktober verliehen

Der Leonore-Siegele-Wenschkewitz Preis 2015 geht an Aliyah El Mansy für ihre Dissertation „Exogame Ehen. Die traditionsgeschichtlichen Kontexte der paulinischen Position“. Am 11. Oktober 2015 wird die Preisträgerin in der Sankt Nicolai Gemeinde in Frankfurt ausgezeichnet.

Aliyah El Mansy stellt in ihrer Arbeit dar, wie Heiraten außerhalb der eigenen sozialen Gruppe in „jüdischen Schriften der Perserzeit und hellenistischen Zeit“, in „griechischen und römischen Schriften der späten Republik bis zur hohen Kaiserzeit“ und in „jüdischen und christlichen Schriften der frühen Kaiserzeit“ gewertet werden. Mehr HP: Sie zeigt, dass sich in den Debatten vielfältige Positionen beobachten lassen und sich die negativen und positiven Einschätzungen ähneln. Die Preisträgerin kommt u.a. zu dem Fazit: „Die biblischen Texte kennzeichnet gerade, dass es keine einheitliche Regelung gibt. Die Positionierungen und Argumente sind zeitbedingt und versuchen auf Situationen zu reagieren, die die eigene Identität herausfordern. Exogame Ehen sind möglich – verhandelt wird über ihre Voraussetzungen und Gestaltung. Die herangezogenen Legitimationen sind dabei meistens sekundär und austauschbar. Paulus zeigt eindrucksvoll, dass er auf konkrete Ängste theologisch variabel reagieren kann.“

Der Leonore Siegele-Wenschkewitz Preis wird alle zwei Jahre vom Verein zur Förderung Feministischer Theologie in Forschung und Lehre e. V. in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie Frankfurt, den Landesverband Evangelischen Frauen in Hessen und Nassau e.V. und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau vergeben und dient der Auszeichnung von Beiträgen, die in besonderer Weise die feministische Theologie oder die Gender Studies in der Theologie fördern. Mit dem Preis wird gleichzeitig an Leonore Siegele-Wenschkewitz erinnert. Die 1999 verstorbene Direktorin der damaligen Evangelischen Akademie Hessen und Nassau war mit ihrem Engagement für kirchliche Zeitgeschichte, das christlich-jüdischen Verhältnis, feministische Theologie und theologische Frauenforschung richtungsweisend.

Die Veranstaltung ist öffentlich und der Eintritt frei. Anmeldungen an info@verein-fem-theologie.de oder per Einladungskarte erleichtern die Vorbereitung.